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Ausstellung, Kunming China

Gestalterisch bespielen von Scarpatetti’s Geflechte in ungewöhnlich poetischer Fantasie die auszustellenden Räume, vorstellbar als Netze von Transparenz zugleich mit einer unfassbaren Dichte.  Was könnte da näher liegen, den Kerngedanken dieses Werkes als brandaktuellen Bezug zur heutigen vernetzten Welt in Zusammenhang zu bringen?

DRAHTOBJEKTE

In den letzten Jahren haben sich die nervösen, pulsierenden Raster Rosmarie von Scarpatettis von der zweidimensionalen Leinwand in den dreidimensionalen Raum hinein emanzipiert.

 

Aus feinstem Metalldraht formt sie luftige Würfel, aus deren vielfacher Verkettung federleichte Netzstrukturen entstehen, die wie organisch gewachsen anmuten.

Interessant ist auch hier, wie von Scarpatetti der Geometrie buchstäblich ein Schnippchen schlägt, sie überlistet. Denn die materialeigene Spannung, die dem Metalldraht innewohnt, erlaubt das Biegen optisch labiler Würfel, die statisch aber stabil bleiben. Sie scheinen zu schwanken und zu straucheln, weil ihre feinen, linearen Gerüste sich in die eine oder andere Richtung neigen, aus dem Lot geraten. Trotz allem verharren sie in (fast) jeder präkeren Position, welche die menschliche Hand ihnen zuweist, ohne ihre Grundform zu verlieren, und sei sie noch so windschief. Genau in dieser Elastizität liegt der Reiz sowohl einzelner Würfel als auch ihrer vielfältigen Anreicherungen und Verdichtung zu atmenden, transparenten «Kissen» am Boden oder zu hängenden, filigranen Formationen an der Wand, die über sich hinaus wachsen, indem sie im Sonnenlicht bezaubernde Schatten werfen.

 

Die Idee zu dem feinen Drahtgeflecht als Modul für weitreichendere plastische Formationen kam Rosmarie von Scarpatetti an einem Neujahrsmorgen in der Stadt Zürich durch einen Fehltritt, der sich als Glücksgriff erweisen sollte: Inmitten leerer Champagnerflaschen und anderer Hinterlassenschaften einer wilden Silvesternacht blitzten ihr die Metallgeflechte der Korkenhalter entgegen: aufrecht in die Höhe ragend oder plattgetreten von vielen Schritten, von denen der von Rosmarie von Scarpatetti einer war. Sie war fasziniert von der Elastizität der geometrischen Form und sammelte einige Beispiele ein, die sie bis heute aufbewahrt, als Inspirationsquelle und Muster gleichsam.

 

Dr. Mechthild Heuser

BILDER

Wenn Rosmarie von Scarpatetti malt, dann abstrakt. Für ihre Malerei typisch ist ein quadratisches Format. Von manchen ihrer Bilder wird die Farbe gänzlich verbannt. Weiss breitet sich über die gesamte Leinwand aus und wird von nur wenig Schwarz überschattet.

 

Wenn sie Farbe einsetzt, dann oft in einem Nebeneinander von linear und flächig, wie beispielsweise in ihren Schüttbildern, wo sie die Fliessrichtung flüssiger Pigmente nutzt, um sie in fadenartigen Rinnsalen über die Leinwand wuchern zu lassen. Organisch und scheinbar unkontrolliert, unterbrochen nur von verdickten Farbtropfen, die wie Knoten Akzente setzen. Die triefenden gelbgrünen Farbfäden überwuchern eine steinern anmutende Struktur im Hintergrund. Obwohl das Bild abstrakt bleibt, werden Assoziationen an ruinöse Mauern und darüber wuchernde Pflanzen wach.

 

Im Gegensatz zu der natürlichen, lasierenden Farbigkeit mancher Arbeiten entfacht ein anderes Bild ein expressives Inferno. Das Kolorit ist von greller Leuchtkraft und von maximalem Kontrast: Blau stösst auf Rotorange und Gelb. Hier verdichten sich Farbkleckse zu wahren Strudeln, die über Netzwerke aus feinen Linienrastern buchstäblich hinweg schwappen. Damit hinterlassen sie auf der Leinwand Spuren, die sich der unmittelbaren Kontrolle ihrer Urheberin entziehen.

 

Der Idee von der Dynamisierung der Malerei begegnete Rosmarie von Scarpatetti in den Kursen Emilio Vedovas, zunächst, Ende der 60er Jahre, an der Salzburger Sommerakademie, 1970 dann auch in Venedig, wo Vedova lebte und lehrte. Doch im Gegensatz zu dem Informell Vedovas, bei dem der Pinselstrich regelrecht auf der Leinwand wütet und die Geste selbst im Zentrum steht,  bleibt von Scarpatetti mit ihren organisch wabernden Rasterstrukturen der Gegenständlichkeit verbunden, konfrontiert diese aber mit  Aufschüttungen flüssiger Farbe, die sich ihren Weg amorph und eigendynamisch in die Abstraktion bahnen.

 

Dr. Mechthild Heuser

PAPIEROBJEKTE

Am Anfang und am Ende (eines Werkes) steht die Linie

Ein Stück Papier

Weiss, neu, unverbraucht

Ein unbeschrieb’nes Blatt.

 

Ein Anfang ist nicht in Sicht

Das Ende als Teil des Anfangs

Steht in den Sternen.

 

Ich steh vor dem Nichts

Vor dem Vakuum

Vor der Ahnungslosigkeit.

Ist das der mögliche Anfang?

 

Im „Nichtwissen“ herumirren

Ein immer wiederkehrendes Ereignis.

Im – Alles ist möglich Karussell-

Sich entscheiden und übern

Und wieder verwerfen..

 

Hat sich die Linie vorgedrängt, aufgedrängt

Beginnt die Gratwanderung auf dem Weg

Der noch nie gegangen wurde...

 

Die Linie

Die dann das Blatt durchzieht

Im immer fast gleichen Bogen

Wölbt das Papier

Und schneidet es in Streifen.

 

Das nackte Blatt

Einst aalglatt

Hat seinen Widerstand gebrochen

Und biegt sich zum Relief.

 

Linien entstehen

Und gesellen sich zur nächsten

Und leben

Weiss- grau

Weil das Licht sich in ihnen bricht.

Die Form löst sich vom Hintergrund

Lässt Raum in Zeit fliessen.

 

Wenn Linien verwischen, sich auflösen, vergehen

Bleiben Spuren wie Punkte zurück (siehe Bilder)

Sie leben nach eigenen Gesetzen

Versammeln, verdichten oder verlieren sich...

Und bilden Formen und Sprache.

 

Doch eins tun sie nicht

Sie vergessen die Linie nicht

Aus der sie entstanden waren.

 

Bald Linie bald Punkt

Geben dem Bild Raster und Rahmen

 

Linie und Punkt sind

Bestimmend und zwingend für’s Werk.

 

Linie und Punkt spannen den Bogen

Zum Anfang zurück.

Für die gebürtige Südtirolerin haben sich wechselnde Lebenskontexte schon immer beflügelnd auf ihre künstlerische Arbeit ausgewirkt. Aufgewachsen ist sie in einem mittelalterlichen Turm, einem Teil der Ringmauer von Glorenza, einer der kleinsten Städte der Alpen, im Vinschgau (Italien) gelegen, nur 12 km entfernt von Müstair. Ihre Vorfahren kamen aus Graubünden.

 

Das alte Gemäuer hat ihre Phantasie nachhaltig beeinflusst und vielleicht rührt ihre künstlerische Vorliebe für konstruktive Strukturen genau von da her. Sie fallen in den verschiedensten Medien auf, in denen sie arbeitet.

 

Dr. Mechthild Heuser

BIOGRAFIE

AUSTELLUNGEN

Künstlerischer Lebenslauf:

Geboren 1949 in Glurns/Glorenza Südtirol, Italien

Mittelschule Meran

Kunstschule in Ortisei/ Bolzano-Bozen

Schülerin von Emilio Vedova / Venedig

Weiterbildung Kunstakademie Salzburg

Weiterbildung Bad Reichenhall D

Weiterbildung Kunstgewerbeschule Zürich

Ausbildung als Kunst-und Ausdruckspädagogin ISIS Zürich

Unterricht a d Volkshochschule Dietikon: experimentelles Malen und  Gestalten

Leitung Gruppenarbeiten im eigenen Atelier

Freischaffende Malerin und Gestalterin seit 1983

 

MITGLIEDSCHAFTEN:

Kunstsektion Internationaler Lyceum Club Zürich

Kunstverein Artischock Küsnacht

1970                     Gruppenausstellung Ortisei/ Italien.

1970                     Werkschau Südtiroler Künstlerinnen Bozen.

1971-74             Gruppenausstellung Hohensalzburg.

1980                     Einzel-Ausstellung Galerie Murbach Zürich.

1983                     Einzel-Ausstellung Erdhaus Dietikon.

1988                     Einzel-Ausstellung Globudata.

1991                     Einzel-Ausstellung Schlössli Dietikon.

1992                     Gruppenausstellung- Kunstszene Zürich.

1994                     Gruppenausstellung- Kunstzene Zürich.

1996                     Einzel- Ausstellung Gemeinde Spreitenbach.

1997                     Einzel- Ausstellung Gemeinde Bergdietikon.

2002/06             Einzel- Ausstellung Galerie Cäcilia, Wameling Baden.

2008                     Einzel- Ausstellung Galerie C. Hohl Zürich.

2010                     Einzel- Ausstellung Galerie Claudine Hohl Zürich.

14/15/16/17    jurierte Gruppen-Ausstellung, Höchhus Küsnacht.

Seit 2014           Gruppenausstellungen im Haus zum Ehrenberg Zürich.

2015                     Jubiläums- Gruppenausstellung Häslihalle Küsnacht.

2017                     Einzelausstellung Galerie Sapo Küsnacht.

2017                     Einzelausstellung Lyceumclub Zürich.

2017                     Untertage Waldhaus Dolder.

ROSMARIE VON SCARPATETTI

Hammerstrasse 43

8008 Zürich

+41 79 741 90 15

scarpatetti@vetsch.ch